12. Januar 2017

Auf Reisen

Hallo ihr Lieben, seit einiger Zeit bin ich jetzt unterwegs durch Afrika, ich habe mal ein bisschen beschrieben, wie das für mich so ist und was alles zum Reisen dazu gehört.
Als erstes die Reisegruppe, die besteht in meinem Fall aus Hannah, den vier Namibiern (Milena, Lena, Lena und Pia), einer Madagassin (Mia) und mir. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen 18- und 19-jähriger, die meinen die Welt erkunden zu können und dies auch tun. Jede mit etwas anderen Vorstellungen und Ideen, jede mit ihren eigenen Macken und Kanten und jede mit einem Rucksack auf dem Rücken und einer Tasche oder Plastiktüte in der Hand. An Aufmerksamkeit wurde jedenfalls nicht gespart (da reichen aber wahrscheinlich sieben weiße Mädels auch ohne Gepäck schon aus)

Dann der Plan oder das Ziel der Reise.
Für fast einen Monat Reisedauer war unser Plan doch recht einfach gehalten. Silvester wollen wir am Malawisee sitzen, schwimmen gehen und chillen. Danach noch etwas Malawi erkunden und weiter nach Tansania. Das einzigste feste Datum ist der Beginn unseres Zwischenseminars am 26. Januar in Dar Es Salaam.
Die Transportmittel unserer Reise sind sehr verschieden, aber ich habe die folgenden wirklich alle schon genutzt.


Als erstes wäre da der ganz "normale" Reisebus. Ein großer Bus, durchschnittlich ein Sitz mehr pro Reihe als gewöhnlich aber sonst durchaus mit europäischen Bussen vergleichbar. Die Busse sind grundsätzlich relativ pünktlich (also bis auf ne Stunde genau). Der Bus ist immer voll, mit Menschen (Kinder und Babys reisen immer mit und sitzen einfach mit auf dem eigenen Platz bzw. zur Hälfte beim Nachbarn) und Gepäck (jede Art, von Koffern über Mais/Reissäcke bis hin zu außergewöhnlichen Gegenständen und Tieren, zum Beispiel Hühnern. Jemand hat mal versucht eine Art Postkasten auf Stelzen zu transportieren, der hat aber nicht mehr gepasst). Interessant, oft aber auch nervig ist das Unterhaltungsprogramm. Dort gibt es Musik (immer die gleichen zehn christlichen Lieder) untermalt von Videos mit tanzenden Nonnen, Priestern oder auch mal Soldaten. Manchmal laufen auch irgendwelche Filme, die nicht sooo ne gute Qualität haben und auch irgendwie unverständlich sind. Einmal ist auch ein Priester oder so was in der Art mitgefahren, hat sich in den Gang gestellt und aus der Bibel vorgelesen, gepredigt und gebetet. Das nenne ich mal moderne Missionierungskunst.

Dann gibt es natürlich noch die Minibusse, kleine Busse, die mit Menschen voll gestopft werden, bis wirklich niemand mehr rein passt, so 20 Leute sind da der Normalfall. Diese Busse sind etwas billiger (Preise werden immer verhandelt) haben dafür aber auch oft ne Panne, nen platten Reifen... eigentlich wundert das bei der ständigen Überladung nicht. Wenn man in der Nähe eines Sees ist dann haben diese Busse auch oft Fische dabei, die vorne außen am Scheibenwischer befestigt werden und während der Fahrt auf der Motorhaube baumeln. Wenn man mit einem Minibus fährt, muss man grundsätzlich mit einer längeren Fahrtzeit rechnen und es wird auch überall nochmal jemand mitgenommen und wenn dafür jemand halb in der Türe steht.

Ein Transportmittel, was wir nur auf Seen nehmen konnten ist das Boot, welches von uns schon liebevoll das "Flüchtlingsboot" genannt wurde, weil es so richtig danach aussieht. Es ist voll gestopft bis oben hin mit Menschen, einmal auch zwei Schweinchen, Fische sowieso immer;). Sitzbänke gibt es keine und gegen den Regen wird eine riesige Plane über alle gespannt unter der es dann zwar sehr sandig und stickig, aber immerhin trocken ist. Ein und Ausgestiegen wird einfach durchs knietiefe Wasser.

Ein Art des Transports, die in Sambia eher ungewöhnlich ist ist der "Hike". Man steigt einfach hinten auf einen Pickup auf, auf dem man zusammen mit allerlei Leuten und Gepäck über Straßen und zu Orten fährt, die nicht von Bussen angefahren werden. Für diese Art der Fortbewegung, wie eigentlich für die meisten Arten braucht man echt Vertrauen zu den Fahrern, denn es geht über Buckelpisten und man ist dann doch immer froh, wenn man ankommt:).

Taxen gibt es natürlich auch, aber wir nutzen sie nicht so oft, wenn dann quetschen wir uns zusammen in eins, der Rekord war sieben Leute mitsamt Reisegepäck in ein Taxi, welches immer nur normale Kleinwagen sind. In größeren Städten gibt es aber kleine Tucktucks, mit denen zu fahren echt Spaß macht und auch nicht so teuer ist. Sehr witzig ist es das sie zum tanken auf die Seite gekippt werden.



Die Reiseorte die wir bis jetzt besucht haben waren alle wunderschön. Wir waren am Lake Tanganika, am Malawisee, in Lilongwe, der malawischen Hauptstadt,  auf der Mushroom farm, die in den Bergen Malawis liegt. Jetzt gerade sind wir in Tansania, wo wir Richtung Sansibar unterwegs sind. Es ist einfach supertoll mitten durch Afrika zu reisen und die verschiedensten atemberaubenden Orte zu sehen. 



Reiseproviant ist zum Großteil Reis mit Bohnen, was wir uns meisten selbst kochen, oftmals über einem Feuer.An Besteck haben wir mittlerweile eine kleine Sammlung an Plastikgabeln, -löffeln und -messern. Gegessen haben wir oftmals aus Dosen, dem Topf oder von großen Blättern, was gut funktioniert, wofür wir aber auch schon ausgelacht wurden.
Und natürlich noch die Menschen, die wir treffen. Die meisten sind erst mal geflasht, das eine Gruppe weißer junger Leute durch ihr Land reist, aber alle wollen sich mit uns unterhalten und uns ihre Ware anbieten. Von vielen werden wir auch immer wieder willkommen geheißen, was sehr schön ist. Bei Schwierigkeiten halten wir uns aber immer noch an die Frauen, die typischen "Memes". Sie tragen Shitenges, haben meist ein Baby auf dem Rücken und irgendwelche Dinge auf dem Kopf. In Bussen ist es schon mal etwas unangenehm, weil sie unheimlich viel Platz einnehmen für sich und auch immer irgendwelche Säcke mit Reis, Mangos oder Töpfen oder so transportieren. Aber sie geben auch auf uns Acht, wenn die Männer uns zu aufdringlich werden oder jemand einen falschen, viel zu hohen Preis verlangen. Wo Frauen sind fühlen wir uns immer sicher und man hat einen Ansprechpartner, der einen garantiert nicht bescheißt.
Zu jeder Vernünftigen Reise gehören natürlich auch Schwierigkeiten. Unsere starten teilweise schon an der Grenze, wenn wir nicht das Visum bekommen was wir haben wollen, Stunden warten müssen oder die Grenzbeamten unsere Dollar nicht schön und neu genug finden und sich weigern sie anzunehmen. Bis jetzt haben wir es aber immer geschafft sie zu überreden, mit genug Geduld kommt man eigentlich immer weiter.
Das bis jetzt blödeste ist aber mein Neujahrsgeschenk gewesen. Ich habe pünktlich zum neuen Jahr angefangen zu kränkeln, es hat sich dann durch einen Schnelltest sehr schnell bestätigt, das es sich um Malaria handelt. Malaria ist in Sambia leider sehr weit verbreitet und da hat es halt auch mich getroffen. Ich wünsche es echt niemandem. Ich war einige Tage lang richtig krank, es ging mir scheiße und ich war einige Male im Krankenhaus, es haben sich wirklich alle sehr gut gekümmert, danke dafür. Ich musste einen Tropf bekommen  (gegen Dehydrierung) und die Malaria-Medikamente gespritzt bekommen, weil ich die Tabletten wieder ausgebrochen habe. Mittlerweile geht es mir aber wieder gut und wir konnten unsere Reise fortsetzten. Insgesamt ist es natürlich echt beschissen gewesen aber in Deutschland wird meistens mehr Panik um diese Krankheit gemacht als nötig ist. Es geht einem einige Tage wirklich Scheiße, mit Medikamenten passiert aber nichts schlimmeres.
Ich hoffe ich konnte ein bisschen beschreiben, wie das reisen durch Afrika für mich so ist. Das nächste Mal kommen dann hoffentlich noch ein paar Bilder.
Liebe Grüße aus Tansania
Anne

26. Dezember 2016

Ukufyawakwa kwa Yesu

Frohe Weihnachten, jetzt noch mal richtig.
Weihnachten für uns war total anders und super schön. Zur Feier des Tages haben wir mal so richtig leckeres und besonderes Essen gekocht: Lasagne mit Bohnensalat und Apfelmus, zum Nachtisch Pudding und einen Schokokuchen.
Wir haben auch einen Weihnachtsbaum selber gebastelt, aus einem Stock, einigen Kieferzweigen und Wäscheklammern. Der Baum ist auf jeden Fall der aller schönste gewesen. Eine der Namibia-Freiwilligen hatte sogar eine kleine Krippe und wir haben überall Teelichter aufgestellt.
Im Grunde genommen hatten wir ein sehr einfaches Weihnachtsfest, keine großen Geschenke, ein, zwei Kleinigkeiten. Aber dadurch haben wir Weihnachten gefeiert als dass, was es vielleicht ursprünglich bedeutet. Man sitzt zusammen mit Freunden, isst ein Essen, was vielleicht nicht das traditionelle "Weihnachtsessen" ist, aber dennoch besonders und mit viel Liebe gemeinsam vorbereitet. Wir haben Weihnachtslieder gesungen und die Weihnachtsgeschichte gelesen. Über ein kleines Geschenk, kann man sich riesig freuen und es wird zu etwas besonderem. Vielleicht ist es auch an der Krippe so gewesen. Einfach und schlicht. Maria und Josef waren in einem fremden Land auf sich gestellt.
Dieses Weihnachtsfest ist auf jeden Fall etwas ganz besonderes gewesen und ich bin dankbar, das ich es so erleben konnte. Voller Frieden, Harmonie und mit Leuten, die mir echt ans Herz gewachsen sind und die diese Erfahrung mit mir teilen.
Ersten Weihnachten habe ich mit Luke und Steph und der ganzen Familie verbracht und auch das war etwas besonderes auch wenn es ganz anders war. Es gab ein gemütliches Frühstück im Garten, die Temperaturen liegen so bei Mitte zwanzig bis dreißig grad. Für Abkühlung sorgt dann halt der Pool. Danach haben wir Karten gespielt oder uns einfach nur unterhalten, während die Kinder  (Steph und Lukes eigene) mit ihren Geschenken gespielt haben. Später gab es dann noch ein großes Weihnachtsessen, zu dem viele Bekannte und Freunde eingeladen waren, die vielleicht keine Familie hier in Kasama oder Sambia haben. Das Schöne ist, das wirklich alle willkommen waren. Auch das hat mir mega gut gefallen, auch wenn es zwischendurch etwas schwer war sich klar zu machen, das wirklich Weihnachten ist.
Was für mich ebenfalls ein schönes Weihnachtsgeschenk war, War mit meiner Familie zu schreiben, die ja normalerweise für mich zu Weihnachten dazu gehören. Auch die vielen lieben Grüße, die sie mir bestellt haben haben mich riesig gefreut.
Ich sage es also nochmal: Frohe Weihnachten!
Und auch ein gutes Neues Jahr, wir werden übermorgen aufbrechen und wann der nächste Eintrag kommt ist somit ungewiss.
Alles Liebe
Anne


22. Dezember 2016

Ferien

Hallo aus dem immer noch warmen Sambia,
Bei uns haben mittlerweile auch schon die Ferien angefangen und wir haben Besuch von den Freiwilligen aus Namibia. Das ist total schön und wir genießen die gemeinsame Zeit.
Wir waren alle zusammen bei Lukes Beach, diesmal haben wir allerdings öffentliche Verkehrsmittel genutzt, also Fahrten in Minibussen, 14 Sitze  (in Deutschland wären das 9) für 20 Personen. Gepäck wird aufs Dach geladen, welches sich unter der Last nach unten wölbt oder in den Kofferraum gepackt, wo es dann gegen unsere Köpfe gedrückt hat, ein Teil wurde auch einfach hinten an die Heckklappe gebunden. Wir waren echt froh, daß wir die Fahrten gut überstanden haben und nur eine kleine Panne hatten, die schnell behoben werden konnte. Ein Teil unserer Reise ging auch über den See, wo wir in einem ebenfalls sehr vollgeladenen Taxiboot saßen, die Rückfahrt wegen des Regens unter einer riesigen Plane. Da entsteht nochmal ein ganz anderes Zusammengehörigkeitsgefühl und es braucht einiges an Vertrauen, in diesem Boot zu sitzen, ohne zu sehen wo es hingeht und sich in aller Ruhe mit den anderen Passagieren zu unterhalten. Zum Schluss war aber nur noch der Fischgestank etwas gestört.
Übermorgen ist dann auch schon Weihnachten und hier ist es immer noch total warm, auch wenn es regnerisch ist und deshalb auch insgesamt etwas kühler und alles mittlerweile grün ist, was echt schön aussieht. Richtige Weihnachtsstimmung ist also noch nicht so richtig aufgekommen aber ich denke das dieses Weihnachten schon ein ganz besonderes wird, auch wenn es vermutlich ganz anders ist als alle Weihnachten, die ich bis jetzt erlebt habe aber das gehört auch dazu.
Nach Weihnachten brechen wir dann mittlerweile zu sechst (Hannah und ich und die vier Namibianerinnen) nach Malawi und von dort aus nach Tansania auf, wo wir auch unser Zwischenseminar haben. Wann ich da das nächste Mal Internet habe kann ich noch  nicht sagen. Deshalb will ich euch jetzt schon mal Frohe und gesegnete Weihnachten wünschen und einen guten Start ins neue Jahr. Ich möchte auch nochmal allen Danke sagen, die meinen Blog so fleißig lesen.
Alles liebe
Anne

13. Dezember 2016

Alle Visaprobleme geklärt

Hallo zusammen,
Heute habe ich mal echt gute Nachrichten. Wir haben endlich unsere Visa bekommen. Das heißt wir können jetzt ein Jahr hier bleiben ohne uns weitere Gedanken oder Sorgen zu machen:)
Dieses Visum zu bekommen war gar nicht so einfach. Wir sind insgesamt sieben mal beim Immigrationoffice gewesen nur um jedes Mal die meiste Zeit mit warten zu verbringen, damit die uns nach drei bis vier Stunden einen Stempel in unseren Reisepass gedrückt haben mit dem Auftrag nächste Woche wieder zu kommen, da wir noch keine 21 sind und sie dass erst nochmal mit Lusaka abklären müssen.
Heute hat es tatsächlich ziemlich lange gedauert bis die Beamtin in einem der Büros unsere Mappen mit allen Formularen und Passbilder gefunden hat. Auf das Unterschreiben der Papiere alleine haben wir wieder ne Stunde gewartet. Aber es hat sich gelohnt. Jetzt brauchen wir für den Rest des Jahres nicht mehr hin:)

Bis bald mal wieder
Anne

6. Dezember 2016

Nikolaus


Heute ist Nikolaus. Ich bin sicher die meisten von euch haben etwas in ihrem Schuh gefunden oder sehen zumindest überall in der Stadt Nikoläuse, Weihnachtsmärkte und –dekoration. Man hört Weihnachtsmusik, isst Plätzchen oder kommt aus der Kälte ins warme Haus. Das alles ist hier nicht vorhanden. Heute ist hier ein Tag wie jeder andere und Weihnachtsstimmung kommt überhaupt nicht auf. Wir haben mittlerweile die letzte Woche vor den großen Ferien, die am Freitag anfangen und bis zu 11. Januar dauern. Am Freitag war die End-of-term-presentation, da haben die Kinder kleine Theaterstücke vor den Eltern aufgeführt. Gestern wurde dann der letzte Test für dieses Jahr geschrieben (die Kinder hier schreiben tatsächlich total gerne Tests!) und jetzt sitzen Teacher Bridget und ich an den Zeugnissen. Das neue Schuljahr beginnt hier immer im Januar also müssen wir die Klasse mal gründlich aufräumen, ansonsten gibt es nicht mehr so viel zu tun. Das ist aber auch ganz schön, wir basteln oder spielen mit den Kindern und haben nicht mehr so viel Stress.

Heute waren Hannah und ich außerdem zum dritten Mal in Folge im Immigration Office. Wir sind mit einem Touristenvisum eingereist, das drei Monate lang gültig war, aber letzten Montag abgelaufen ist. Seit dem versuchen wir also eine sechsmonatige Arbeits – und Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Gar nicht so einfach! Wir haben jedes mal drei bis vier Stunden in der Behörde (zum Glück hier in Kasama) verbracht. Wir wurden von einem ins nächste Büro geschickt (mit entsprechenden Wartezeiten dazwischen) und mussten jedes Mal dieselben Fragen beantworten, wer wir sind, was wir hier in Sambia machen, warum wir erst 18 sind (man muss wohl irgendwie 21 sein). Jedes Mal haben wir nur einen neuen Stempel bekommen und einer der Büromenschen hat uns erklärt wir sollten doch bitte morgen/nächste Woche wieder kommen. Leider ist auch heute nicht mehr bei rum gekommen also heißt es für uns nur wieder Abwarten und Tee trinken. Wie die sambischen Behörden funktionieren ist schon irgendwie absurd. Die meiste Zeit arbeitet niemand, alle sitzen nur an ihren Schreibtischen (wenn überhaupt), telefonieren oder starren Löcher in die Luft. Die Dokumente, die wir eingereicht haben (es waren insgesamt 20!!! Seiten) wurden immer wieder von einem zum anderen Büro getragen und wieder zurück und ich bezweifle, dass noch alles da ist (wir haben sicherheitshalber mal alles kopiert).


Ich habe auch noch ein Bild für euch. Das ist INSUA. Eine eklige Käferart, die eigentlich mal Flügel hatte, die sie aber relativ schnell abwerfen und dann so durch die Gegend krabbeln. In der Schule und wahrscheinlich auch überall sonst haben die Kinder die Insua gesammelt und gegessen! Einfach so, roh. Das ist schon ein bisschen eklig.

Liebe Grüße aus dem regnerischen aber immer noch warmen Sambia

Anne

27. November 2016

Graduation Ceremony


Hallo ihr Lieben,

Heute ist der Advent, das ist so unwirklich, das ich es gar nicht wirklich fassen kann. Hier ist es immer noch total heiß, sodass ich fast jeden Tag Abkühlung im Pool suche und Weihnachten ist auch noch nicht in Sichtweite (es gibt ein bisschen, sehr wenig Weihnachtsdeko im shoprite in einer Ecke relativ weit hinten und das wars dann auch schon).

Gestern hatten wir in der Schule die Graduation Ceremony, also so was wie ne Zeugnisvergabe (es waren noch nicht die richtigen Zeugnisse) für die Siebtklässler, die jetzt die Grundschule verlassen, die Viertklässler, die jetzt zu den „Älteren“ gehören und der Reception 2, eine Art Vorschulklasse, die nächstes Jahr ihr erstes richtiges Schuljahr beginnen.

Die Zeremonie war eigentlich total schön, alle Schüler hatten spezielle Umhänge (ich weiß kein besseres Wort dafür an) und sind zur Bühne hin getanzt. Dann gab es einige Reden, ein paar Gedichte natürlich die Zertifikate und einen Kuchen, extra für diesen Anlass. Der wurde auch feierlich angeschnitten und alle Schüler und die Ehrengäste haben ein Stück bekommen.

noch bei der Vorbereitung
Höchste Konzentration beim Einlaufen

Alle Graduanten

Die Siebtklässler halten eine Rede über ihre Schulzeit,
alle haben sich auch bei ihren Lehrern bedankt für alles was sie ihnen beigebracht haben.


Anschließend wurde noch gegrillt, für die Kinder gab es eine Hüpfburg (mit sowas hätte ich hier irgendwie nie gerechnet) und es wurde getanzt. Die anderen Lehrer haben versucht mir das sambische Tanzen beizubringen, aber ich glaube ich habe mich wirklich dumm angestellt. Im Prinzip ist es gar nicht so schwer, man kreist und wackelt eigentlich die ganze Zeit mit der Hüfte und bewegt sich dabei langsam durch die Gegend. Meine Hüfte wollte nur leider nicht bewegt werden. Trotzdem war es aber total witzig und wir haben viel gelacht, die meiste Zeit glaub ich über meine gescheiterten Versuche meine Hüfte kreisen zu lassen. Selbst die Kinder können das alle schon echt super. Es hat aber trotzdem Spaß gemacht und ich finde es auch toll ein bisschen Kultur zu lernen.



Dann muss ich euch noch von unserem Stromausfall berichten. Eigentlich ist es total normal, dass immer mal wieder der Strom für einige Stunden ausfällt. Diese Woche hatten wir aber ganze VIER Tage am Stück keinen. Irgendwo in der Leitung (es gibt nur eine, die in den Norden und somit nach Kasama führt) war wohl durch einen Blitzeinschlag ein größerer Schaden entstanden, der sich nicht so einfach beheben ließ. Es gab Gerüchte, dass der Schaden eine fünf Kilometer lange Strecke betraf und die Leute aus Indien eingeflogen werden mussten um den Schaden zu beheben. Das ändert aber nichts daran, dass wir vier Tage lang keine Elektrizität hatten. Das bedeutet nicht nur kein Licht oder keinen normalen Herd (wir hatten einen Gasherd, der aber nach zwei Tagen den Geist aufgegeben hat), sondern auch kein fließendes Wasser, welches normalerweise ins Haus gepumpt wird. Also haben die Kinder ihre Hausaufgaben nachmittags draußen in der Sonne erledigt, abends saßen wir gemütlich im Kerzenlicht (das fand ich immer total schön). Der Abwasch wurde in einem großen Speißfass erledigt und alle mussten halt im Pool baden. Da können wir uns aber glücklich schätzen, dass wir einen Pool haben. In der Stadt hat man überall noch mehr Frauen als sonst mit Wassergefäßen auf dem Kopf gesehen und die Bäckerei konnte auch kein Brot mehr backen. Als erstes kam der Strom dann auch im Zentrum wieder zurück, sodass die Geschäfte und die Tankstelle versorgt waren. Dann kam der Strom auch zu uns und einen Tag später war er an der Schule. Mittlerweile ist ganz Kasama wieder versorgt. Es ist hier zwar relativ gewöhnlich, das schon mal der Strom ausfällt, aber für so lange Zeit wohl schon seit einigen Jahren nicht mehr. Da fällt einem erstmals auf, wie abhängig wir eigentlich vom Strom sind, obwohl wir hier schon „enthaltsamer“ leben, im Vergleich zu Deutschland. Kochen überm Feuer ist hier noch nicht ganz aus der Mode gekommen, sodass wir immerhin was Warmes zu essen hatten. Und auch wenn es vielleicht die ein oder andere Unannehmlichkeit mit sich gebracht hat war es für mich eigentlich eine ganz schöne Erfahrung.

Liebe Grüße

Anne

18. November 2016

Regenzeit


Hallo miteinander,

Diese Woche hat endlich die Regenzeit begonnen (das ist für sambische Verhältnisse recht spät), dass heißt, das es seit sechs Monaten das erste Mal wieder regnet. In der Zeit dazwischen fällt kein einzigster Tropfen vom Himmel, das ist echt krass, erklärt aber die Freude von allen (mich eingeschlossen) über den ersten Schauer.

Letzte und vorletzte Woche war es immer recht heiß, so um die 35 Grad, da hat es dann spätnachmittags oder abends mal geregnet. Die Wirkung ist erstaunlich, sobald der Regen einsetzt kühlt es ab, aber nicht nur ein bisschen sondern um 10-15 Grad, wir haben also nach einem Schauer angenehme Temperaturen von 23 oder 25 Grad. Das ist wahrlich eine Wohltat, auch wenn die Kinder und manche Sambier meinen sie würden jetzt frieren und sich Pullover und Schals anziehenJ.

Dennoch freuen auch sie sich, beim ersten Regen sind alle Kinder draußen durch die Gegend gesprungen, also bis es dann richtig losging. Der Regen kommt hier schlagartig, gestern hat es zum Beispiel richtig gestürmt. Es hat sinnflutartig geschüttet und gewittert. Wir hatten keinen Strom, so haben wir es uns halt mit Kerzen gemütlich gemacht und mit dem Geräusch des Regens einzuschlafen ist auch etwas was ich schon vermisst habe.

In der Stadt sind bei Regen alle Straßen überflutet und der ganze Abfall und Dreck (Straßen oder Straßengräben werden hier nicht gesäubert, es gibt auch keine Müllabfuhr) wurde mit geschwemmt. Dafür fängt aber auch alles an zu grünen, was einfach wundervoll ist und so langsam kommen auch die ersten Zugvögel hier an. Das hat mich zuerst total überrascht, ist aber eigentlich logisch. Es ist trotzdem irgendwie seltsam, das die Vögel hier ihren Winter verbringenJ.

Was hier auch noch anders ist, es gibt keine Blitzableiter. Bei Gewitter sollte man nicht unbedingt nach draußen gehen und den Kontakt zu Wasser generell vermeiden. Also wird nicht gebadet, oder sich gewaschen und auch nicht gespült, das ist schon komisch, weil ein Gewitter in Deutschland ja eigentlich überhaupt keine Einschränkungen mit sich bringt. Die Kinder haben auch Angst davor vom Blitz getroffen zu werden. Beim ersten Donner während der Pause in der Schule haben viele angefangen zu schreien und alle sind sofort in ihre Klassen zurück gekommen, auch das war mir fremd, aber ich kann es verstehen, da es hier durchaus schon mal vorkommt, dass jemand vom Blitz getroffen wird, wenn auch nicht unbedingt in der Stadt, sondern eher etwas außerhalb, wo es keine Häuser gibt.

Zu den Häusern auch noch ein kurzer Satz. Haus ist hier alles, was annähernd Ähnlichkeiten mit einem besitzt. Außerdem ist das gewöhnliche Haus eben, es gibt also keine Etagen. Den Kindern habe ich mal ein Bild von unserem Haus in Deutschland gezeigt und sie waren total begeistert und haben gefragt, ob das Haus auch Treppen innen drin hat. Der Grund dafür, dass es hier keinen ersten Stock gibt könnte da liegen, das es einmal hier echt große Grundstücke gibt, jeder hat nen riesigen Garten und es gibt viele unbebaute Flächen in – und außerhalb der Stadt, zum anderen sind die Dächer hier nicht wirklich stabil, sodass ich mir nicht vorstellen kann, dass darauf jemand laufen, beziehungsweise wohnen kann.

Das wars erstmal wieder von mir, bis bald

Anne

8. November 2016

Ich bin in Afrika


Hallo Zusammen,

Ich möchte euch heute nochmal einige allgemeine Sachen über Sambia und mein Leben erzählen, den Rest lest ihr am besten selbst. (Ich habe auch versucht ein paar Fragen zu beantworten) Dabei muss ich betonen, das es sich schon komisch anfühlt zu sagen, ich bin in Afrika, weil man damit im Kopf so viele Dinge verbindet, die teilweise, aber keinesfalls und auch nicht überall zutreffen.

Erste Sache, Strom und Wasser. Strom gibt es hier in den meisten Häusern, allerdings heißt das nur, dass man an ein Stromnetz angeschlossen ist, nicht, das man auch Strom zu Hause hat. Je nachdem wo genau man wohnt hat man öfter oder seltener Strom. Bei mir kommt es ein bis mehrmals pro Woche vor, das wir keinen Strom haben. Wir sind aber darauf eingerichtet, gegessen wird dann halt im Kerzenschein, zum Kochen haben wir zusätzlich noch einen alten Gasherd, die meisten anderen Leute kochen aber bei Stromausfall am offenen Feuer vor ihrem Haus.

Wasser ist da schon schwieriger. Aber auch da bin ich ganz gut versorgt. Die meisten Häuser haben einen Wassertank, in den Dörfern gibt es meistens einen Brunnen mit Pumpe, wir haben hier fließendes Wasser, also einen eigenen kleinen Brunnen, dessen Leitung ins Badezimmer und die Küche führt. Aber auch da kommt nur kaltes Wasser raus, warmes Wasser zum Baden (Dusche gibt es auch bei uns keine) wird hinterm Haus über einem Feuer erhitzt und dann tragen wir es in Eimern ins Badezimmer, wo es dann mit kaltem Wasser gemischt wird. Hier ist aber dann auch immer Wasser sparen angesagt, denn es gibt nicht unendlich viel Wasser und alle müssen sauber werden, also ist die Badewanne meist nur zehn bis zwanzig Zentimeter gefüllt. (Es ist erstaunlich, wie wenig Wasser man eigentlich braucht). Das Wasser aus dem Wasserhahn ist aber letzten Endes auch nicht so sauber, das man es bedenkenlos trinken kann, deshalb kochen wir das Trinkwasser immer erst ab und füllen es dann in einen Krug, aus dem sich alle bedienen können.

Mit der Kommunikation ist es auch etwas anders. Ein Haus mit Festnetzanschluss habe ich noch nicht gesehen (tatsächlich ist das Telefonbuch von gesamt Sambia nur zirka 2,5 cm dick). Dafür haben aber alle Sambier zwei (meist recht alte Tasten-) Handys. Zwei braucht man, da es zwei große Telefongesellschaften gibt, es gibt nicht überall Netz und außerdem bricht es oft zusammen, daher ist die Wahrscheinlichkeit welches zu bekommen einfach höher, wenn man bei beiden Anbietern ist. Mit dem Internet ist es dasselbe. Hier im Boardinghouse gibt es WLAN (das ist eigentlich auch eher selten), was aber nur funktioniert, wenn wir Strom haben und der Anbieter keine Probleme.

Wonach ich noch gefragt wurde ist das Essen, was bei mir ja sowieso ein eher kritisches Thema ist. Grundsätzlich gibt es dreimal täglich warmes Essen und für den „echten Sambier“ zählt eine Mahlzeit nur dann als Mahlzeit wenn der berüchtigte Nschima dabei ist J. Morgens gibt es also Porridge, das sieht aus wie ein brauner Brei, was auch aus Maismehl besteht. Mittags und abends gibt es „normales“ Essen, also meist Nschima oder Reis (seltener auch mal Nudeln oder Süßkartoffeln) mit Gemüse, hauptsächlich etwas das aussieht wie Spinat oder Kohl und manchmal auch Hühnchen oder Rindfleisch oder so, immer mit Knochen und meistens gekocht. Sambier essen eigentlich auch immer mit den Fingern, was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Ich esse meistens mit Messer und Gabel und morgens esse ich Brot. Zu kaufen gibt es hier nur Weißbrot, aber wir backen dunkleres Brot selber, was ich super finde (natürlich nichts gegen Siegerländer Schwarzbrot).

Nächstes Thema sind Tiere die es hier so gibt. Spinnen gibt es einige, aber keine übermäßig großen oder giftige oder so. Nerviger sind kleine Käfer oder Kakerlaken, die sich immer mal wieder im Haus aufhalten, das wird jetzt zur Regenzeit auch etwas mehr. Dann gibt es noch die Fliegen, die noch nerviger sind. Vor allem in der Küche gibt es ziemlich viele und sie sind definitiv mutiger als deutsche Fliegen, denn sie fliehen erst wenn man sie quasi wegwischt. Dann gibt es auch Schlangen in Sambia. Irgendwo bei uns auf dem Grundstück ist wahrscheinlich eine Kobra, sie hat einen der Hunde angespuckt, der jetzt auf einem Auge blind ist und eine der Babykatzen geht wahrscheinlich auch auf ihre Rechnung, denn wir haben sie draußen tot aufgefunden. Deshalb darf man im Dunkeln nur noch mit Taschenlampe raus gehen und ein bisschen auf den Weg vor seinen Füßen achten. Das waren so die Tiere, die ungewollt hier leben. Ansonsten gibt es noch Hühner, die dürfen in keinem Haushalt fehlen (wir haben leider nur noch 6, die anderen 34 wurden geklaut), zwei Katzen und mittlerweile sechs Hunde (sehr zu meinem Leidwesen), die lieben es an den Füßen zu lecken. Das sind eigentlich alles ganz gewöhnliche Haustiere, wir waren aber auch schon bei jemandem, der sich zwei Zebras hält, das ist echt komisch und mega cool.

Und noch eine letzte Sache, dann wars das auch wieder(sorry, dass es schon wieder so lang geworden ist). In Sambia wird grundsätzlich erstmal jede Strecke zu Fuß bewältigt. Egal ob in die Stadt zum einkaufen (ja, man schleppt alles eigenhändig) zu Freunden (zu Hannah laufe ich so 35-45 Minuten), viele Kinder laufen auch zur Schule (meistens auch barfuß) und die Erwachsenen zu ihrer Arbeit (wenn sie denn eine haben). Autos sind hier noch was besonderes, weshalb sie auch so lange fahren, bis sie auseinander brechen und immer vollgepackt sind. Fahrräder gibt es ein paar mehr, sie haben meistens keine Bremse (Klingeln gibt es sowieso nicht) und werden oft genutzt um Kohle oder Holz in die Stadt oder die Dörfer zu befördern (auch hier wird immer etwas mehr als vollgeladen). Meine Schule hat wie manche Privatschulen einen Schulbus, verpasst ein Kind diesen kann es aber trotzdem sein, das eine Mutter ihre 8-jährige Tochter 40 Minuten alleine quer durch die Stadt zur Schule laufen lässt. Das finde ich echt hart und noch heftiger ist, das die Mutter dann auch noch in die Klasse kann und gemeint hat ihre Tochter wäre ja auch dumm und müsste deshalb schon mal bestraft werden. In solchen Momenten fühlt man sich als einfache Freiwillige schon etwas hilflos und ich bin echt überglücklich, das es so was zumindest in Deutschland nicht gibt und das es auch hier wie auch das Schlagen wenigstens langsam weniger wird (dazu an anderer Stelle mehr).

Das waren jetzt mal ein paar Punkte, die meinen Alltag in Sambia so ausmachen und die euch vielleicht ein Stückchen mehr vermitteln was es heißt in Afrika zu sein und was es auch nicht heißtJ

Liebe Grüße

Anne